IKEA – 7 Vorhersagen über die Zukunft des Wohnens

blog-ikeazukunft-01 (1)Ein Artikel aus dem Fast Company Magazin von John Brownlee über die Zukunft des Wohnens. Marcus Engman, Chefdesigner bei IKEA, erzählt im Interview unter anderem wie sich die Bedeutung des Stauraums verändert und Silizium für die Möbel der Zukunft immer wichtiger wird. 

Es ist gut möglich, dass Marcus Engman zumindest für ein Möbelstück in deinem Zuhause verantwortlich ist. Wenn du rund um das Jahr 2000 geboren bist, dann wahrscheinlich für alle. :)

Als IKEA’s Chefdesigner ist Engman für alle neuen IKEA Möbelstücke und für die Haushaltswaren verantwortlich, welche schlussendlich in Millionen von Haushalten jedes Jahr ihr neues Zuhause finden. In diesem Artikel erklärt Engman die Zukunft des Wohnens, von faltbaren Möbelstücken bis zu Stoffmaterialien und Oberflächen, welche Menschen berühren wollen um die Welt voller Touchscreens zu vergessen.

THE FLUID HOME –  Das „flüssige“ Zuhause

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GoodMood Photo via Shutterstock

Wenn Menschen an das Einrichten ihres Zuhauses denken, dann denken sie zumeist recht mathematisch. Das heißt: 1 Sofa + 1 Fernseher = das Wohnzimmer, oder 1 Bett + 1 Kasten = das Schlafzimmer. Aber in einer Zeit, in der immer mehr Leute in die Stadt ziehen, wird auch die verfügbare Wohnfläche immer kleiner. (Laut einem Bericht der WHO werden 2017 die Mehrzahl der Erdbewohner in eng bebauten Städten wohnen).
Wo einst zum Beispiel das Schlafzimmer und das Wohnzimmer klar getrennte Bereiche waren, werden diese Grenzen in der  Zukunft des Wohnens viel verschwommener wahr genommen.

Das Sofa ist nicht nur mehr zum relaxen da. Mehr und mehr Leute essen, oder schlafen mittlerweile darauf, weil sie in einer kleinen Wohnung keinen Platz mehr für den Esstisch oder das Bett haben.

Um ihre Darseinsberechtigung nicht zu verlieren müssen Möbelstücke mit dieser Entwicklung mithalten. Wie Engman am Beispiel des Sofas erklärt:
Traditionellerweise ist das Sofa das wichtigste Möbelstück im Wohnzimmer und dadurch auch in der Wohnung. Aber das Sofa ist nicht nur mehr zum relaxen dar. Mehr und mehr Leute essen, oder schlafen mittlerweile darauf, weil sie in einer kleinen Wohnung keinen Platz mehr für den Esstisch oder das Bett haben. Auch muss der Fernseher nicht mehr notwendigerweise vor dem Sofa stehen – denn fernsehen kann man auch auf dem Tablet und zwar überall in der Wohnung.

„Immer mehr Menschen kaufen statt einem Sofa ein ausziehbares Sofa, welches sich auch als Bett eignet“, so Engman. „Das ist fluid home thinking“. Dieser Trend wird weiter bestehen. Laut Engman wird der Tisch, nicht das Sofa, das wichtigste Möbelstück in einer Wohnung sein. Denn darauf kann man arbeiten, essen, spielen und mit Freunden zusammensitzen.

FURNITURE THAT DOES MORE – Möbelstück mit Extra

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Flickr user hobvias sudoneighm

Kleinere Wohnung heißt auch gleichzeitig weniger Platz für Möbelstücke. Möbel müssen daher Multitalente werden und werden für mehrere Aktivitäten genutzt. „Es ist aber auch möglich, dass in naher Zukunft der Sessel das wichtigste Möbelstück wird, denn mit einem Sessel kann man viel mehr Sachen machen als nur darauf zu sitzen. Man kann ihn als Nachttisch benutzen, als ganz normalen Sessel, als Beistelltisch, oder als Leiter. Man kann sie aber auch so designen, dass sie stapelbar sind und somit wenig Platz wegnehmen, wenn man sie nicht benutzt.“

THE DEATH OF STORAGE – Das Ende des Stauraums

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Flickr user Jonathan Lin

Die Geschichte des Wohnens ist immer auch eine Geschichte des Stauraums. Ein Mensch besitzt viele Regale für seine Bücher, CDs, LPs, Dokumente, DVDs. „Doch in Zukunft gibt es viel weniger Sachen, welche verstaut werden müssen,“ meint Engman. In einer sich immer stärker digitalisierten Welt werden diese Sachen obsolet. Bücher, Musik und Filme werden immer öfter über die Cloud gestreamt und dadurch benötigen sie keinen Platz mehr in einem Regal. Somit werden die Wohnräume weniger übeladen und noch noch die Dinge aufgestellt, die einem wichtig sind.

Menschen werden aber weiterhin Sachen sammeln, die sie natürlich aufstellen, um zu zeigen, wer sie sind. „Menschen wollen ihre Sammlungen immer herzeigen wollen, nicht verstecken,“  Regale oder Stauräume müssen auf diese Entwicklung eingehen, so Engman. Wie auch in Museen müssen sie daher sowohl funktional als auch ansehnlich sein. Deswegen wird es statt Kästen oder Kommoden mehr Regale und Glasschränke geben.

SMARTER FURNITURE – Die Zukunft des Wohnens sind intelligente Möbel

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IKEA

IKEA hat bereits eine neue Lampengeneration präsentiert, welche sich kabellos laden lassen (vorausgesetzt die Ladestation unterstützt den Qi wireless charging standard) und somit überall aufgestellt werden können. Aber das ist erst der erste Schritt. Der Schwedische Möbelbauer ist der Meinung, dass Möbelstücke eines Tages, genauso wie Elektronische Geräte, mit Silizium arbeiten werden.

Laut Engman wird IKEA jedoch keine elektronische Geräte herstellen, sondern sich darauf fokussieren, dass das Wohnen intelligenter und einfacher wird. Eines Tages werden Menschen genauso aufgeregt und neugierig sein ein Update für ihr intelligentes Möbelstücke herunterzuladen, welches ihnen neue Möglichkeiten gibt, wie für das neue iOS Update. Am Salone del Mobile in Mailand wird IKEA eine neue Konzeptküche vorstellen, welche genau auf diese Entwicklung eingeht.

FLAT DESIGN COMES TO FURNITURE PACKAGING

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Self-Assembly Lab, MIT, Christopher Guberan, Product Designer, Erik Demaine, MIT CSAIL, Carbitex LLC, Autodesk Inc.

 

IKEA ist berühmt für ihre Möbel, welche ganz einfach mitgenommen werden und Zuhause aufgebaut werden können, jedoch meint Engman „Wir sind immer auf der Suche nach Möglichkeiten, wie wir unsere Möbel noch platzsparender verpacken können. Es macht einfach nicht Sinn Luft um die ganze Welt zu schicken. Das ist nicht nachhaltig und macht Möbel teurer als sie sein sollten.“

Engman erwartet, dass IKEA und seine Mitbewerber in den nächsten fünf Jahren Wege finden werden,  ihrer Möbel noch flacher und platzsparender zu verpacken. Diese Entwicklung machen die Möbel noch preiswerter, da dadurch die Transportkosten schrumpfen werden. Das MIT verfolgt momentan ein Projekt, welches zum Ziel hat, ein programmierbares 4D Material zu entwicklen. Dieses kann dann mit Hilfe von Hitze oder Wasser in die richtige Form gebracht werden. Angesprochen auf das Projekt wollte Engman kein Kommentar abgeben, jedoch ist IKEA „immer auf der Suche nach Materialinnovationen“ für die Zukunft des Wohnens. Wie auch immer die Zukunft aussehen wird, eines ist sicher: Möbel werden in Zukunft sicher noch platzsparender verpackt werden.

PERSONALIZATION – Personalisierung

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Möbel sind da um die eigene Individualität auszudrücken. Jedoch sind personalisierte Möbelstücke meist teuer und benötigen in der Herstellung viel Zeit. Aus Engman’s Sicht ist im Bereich des Möbeldesigns, das nächste Große Ziel herauszufinden, wie man ein Massen Produkt produzieren kann, welches sich aber personalisieren lässt. Ein gutes Beispiel sind etwa IKEAs Keramikprodukte – 20% werden momentan in der Produktion aussortiert. Der Grund ist, dass die Luft im Ofen, worin sie gebacken werden, nicht immer zu 100% gleichmäßig durchströmt. „Was ist also, wenn wir diese 20%, nicht wegschmeißen, sondern statt ihren Fehler ihre Einzigartigkeit sehen?“

Engman gesteht ein, dass personalisierte Massenprodukte eine große Herausforderung sind und diese wohl auch in den nächsten fünf bis 10 Jahren noch nicht vollständig gelöst sein wird. Er meint jedoch: „Persönlich finde ich, dass diese wohl einer der interessantesten und viel versprechendsten Bereiche zum erforschen sind.“ Schafft es IKEA diese Herausforderung zu meistern, dann bedeutet das wohl: günstige und individualisierte Möbel für alle.

WEIRD FABRICS, STRANGE SENSATIONS – das Verlangen nach dem Ungewöhnlichen

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Andrii Muzyka via Shutterstock

„Menschen verwenden den Großteil ihre Zeit damit Touchscreens zu bedienen“. Das ist langweilig und nicht das was Menschen tatsächlich tun wollen. Laut Engman ist in naher Zukunft, das Zuhause, ein Ort voller ungewöhnlicher Stoffe und Materialen, die individualisiert designed sind und zum angreifen einladen. Also eine Abwechslung zu den flachen Oberflächen von Smartphones und Tablets, welche wir alle täglich mit unseren Fingern berühren, darstellen.

Wie auch immer die Zukunft des Wohnens dann tatsächlich aussehen wird, eines ist sicher – es wird spannend. Wohnungen findest du übrigens auf zoomsquare.com :-)

Berni freut sich über jeden Kommentar unter seinen Blog Beiträgen. Er schreibt regelmäßig über spannende Themen rund um die Wohnungssuche.