Die Wohnungssuche der Zukunft wird anders sein

Wohnungssuche der Zukunft

(c) Baron Reznik / Flickr

zoomsquare.com war vor gut einer Woche auf den zwei größten Immobilien-Tech-Konferenzen in New York. Die wichtigste Erkenntnis: Die Art und Weise, wie wir in den nächsten Jahren Wohnungssuche im Internet betreiben werden, wird sich nachhaltig verändern – zu Gunsten der Suchenden!

Immobilien und das Thema Wohnungssuche boomen und polarisieren. Wer es sich noch leisten kann und etwas Passendes findet, investiert in Zeiten von Allzeit-Niedrigzinsen in Betongold. Der Bedarf an urbanem Wohnraum wächst bei gleichzeitig knappem Angebot – nicht zuletzt wegen konstanten Zuzugs und der wachsenden Zahl an Singlehaushalten in Städten. Hohe Wohnkosten sind dazu in aller Munde und damit auch Politikum und heißes Eisen für anstehende Wahlkämpfe. Soviel zum aktuell gefühlten Eindruck rund um’s Thema Wohnen und die Suche nach den eigenen vier Wänden hierzulande.

Was für Österreich gilt, ist aber auch weltweit einer der heißesten Online-Trends, wie John Thornton von Google vergangene Woche im Gespräch mit dem Wiener IT-Startup zoomsquare.com in New York verriet: „Das Suchvolumen rund um das Thema Immobilien und Wohnungssuche hat sich in den vergangenen vier Jahren verdreifacht.“ Es ist zu erwarten, dass sich dieser Trend in den folgenden Jahren noch verstärken wird.

Dementsprechend heiß ging es auch auf den zwei weltweit größten Immobilien-Tech-Konferenzen „Property Portal Watch“ und „Inman Connect“ in New York her. Neben den größten US-Playern wie Marktführer Zillow, gaben sich auch die wichtigsten internationalen Branchengrößen und innovativsten Köpfe der Branche ein Stelldichein. Die zentrale Frage für alle vor Ort war damit aufgelegt: Wie sieht die Zukunft der boomenden Immobiliensuche im Internet aus?

Genau deshalb war als einziger österreichischer Teilnehmer erstmals auch das Wohnungssuche-Startup zoomsquare.com in New York mit an Bord. Nicht zuletzt eben, weil es vor allem die US-Player sind, die Innovation treiben. Als technologische Vorreiter setzen sie seit Jahren weltweite Trends, die traditionell über kurz oder lang auch in good old Europe landen. Ein Blick in die Glaskugel kann also nicht schaden, wenn es darum geht, am Ball zu bleiben und interessante Entwicklungen frühzeitig zu entdecken.

Soviel vorweg, die Wohnungssuche im Web erhält ein ordentliches Facelifting. Die gute Nachricht dabei – die Suchenden bekommen in Zukunft deutlich mehr geboten. Das sind die Top-Trends für die Wohnungssuche der Zukunft aus New York zusammengefasst:

Mobile Suche geht durch die Decke, Desktop bleibt Faktor

In den USA passiert Wohnungssuche mittlerweile bereits zu über zwei Drittel am Smartphone. Europa hinkt noch etwas hinterher. 2015 wird auch in Österreich wohl die 50-Prozentmarke geknackt. Bezeichnendster Fakt für die mobile Dominanz laut Google Industry Lead John Thornton: „Mit 151 Minuten hat das Smartphone bei der Nutzungszeit gerade den Fernseher überholt.“ Dennoch, so sind sich die Experten einig, sind zur genaueren Begutachtung größere Bildschirme für viele Wohnungssuchende auch weiterhin ein Muss. Direktbenachrichtigungen am Handy für neue, passende Objekte werden zukünftig das Bindeglied eines geschlossenen Suchprozesses am Smartphone und PC.

Die Achillesferse der mobilen Immobiliensuche für Property Portal Watch CEO Simon Baker: „Viele Immobilienseiten kämpfen noch damit, Features und Inhalte von großen Screens mit gleicher Funktionalität auf das Handy runterzubrechen.“ Wer das also am besten und schnellsten schafft, wird klare Wettbewerbsvorteile haben.

Wohnungssuche wird persönlicher – auf die Richtige kommt es an

Bei einer Tatsache waren sich fast alle Experten einig: Die Wohnungssuche von morgen ist deutlich mehr auf den einzelnen User zugeschnitten. Für Gerard Paratte, CEO von listglobally, dem weltweit größten Immobilienanzeigen-Netzwerk ist eines klar: „Matching ist die Zukunft der Immobiliensuche: Algorithmen die helfen sollen, die besten Angebote für ganz persönliche Suchprofile möglichst schnell zu finden.“ Was bedeutet das im Klartext? Der Wohnungssuchende gibt alle möglichen Wünsche zum neuen Zuhause und zur Umgebung an und bekommt die bestmöglichen am Markt verfügbaren Ergebnisse mit der höchsten Übereinstimmung. Zwar auch noch keine Garantie zur Traumwohnung, aber immerhin deutlich zeitsparender und näher dran als bisher. Vorreiter in anderen Branchen bei dieser sogenannten „predective search“ sind mit Amazon oder Netflix keine Unbekannten.

Bereits vor gut einem Jahr hatte Kommunikationsexperte und Österreichs „Mr. Big Data“ Rudolf Klausnitzer auf der Recomm-Immobilien-Konferenz in Kitzbühl diesen Weg ebenfalls vorgezeichnet: „In Zukunft wird es Navigationssysteme für alle Lebenslagen geben. Man gibt dann nur noch die persönlichen, individuellen Faktoren ein, und der Weg zum Ziel wird einem genau vorgezeichnet.“

„hyperlocal“ – voller Fokus auf die Umgebung & das Viertel

Einer der weiteren Megatrends der Wohnungssuche weltweit kann unter dem Schlagwort „hyperlocal“ zusammengefasst werden. Sprich die Rückbesinnung auf den engeren Lebensbereich, die Nachbarschaft, das Viertel, kurzum die direkte Umgebung. Beinahe alle großen Immobilienseiten setzen intensiv auf dieses Zukunftsthema und tun im Sinne beider Seiten gut daran. Wer als Suchender schneller weiß, was es rund um das potentielle neue Zuhause vom Supermarkt bis zu Kindergarten oder der U-Bahn alles gibt, der hat früher ein Gesamtbild. So spart er Zeit und Nerven, weil er schneller etwas Passendes findet und der Anbieter profitiert vom rascheren Abschluss. Das Resultat ist eine Win-Win-Situation für alle. Möglich werden all diese praktischen Umgebungsinfos rund um eine Immobilie für den Wohnungssuchenden durch immer mehr offene Datenquellen, Stichwort „Open Data“.

„Lifestyle“-Wohnungssuche vergrößert Suchhorizont

Ist genau diese Datenflut einmal gebündelt, liefert sie die Basis für die erfolgsversprechendsten, neuen Ansätze der Immobiliensuche, die in New York fleißig diskutiert wurden. Eines der wirklich interessanten Projekte ist hier eine Art Stadtviertel-Wohnungssuche 2.0, an der große US-Player wie Zillow oder UrbanCompass, aber beispielsweise auch Zoopla in Großbritannien oder zoomsquare.com in Österreich arbeiten.

Bei diesen „Lifestyle“-Immobiliensuchen werden einheitliche „Tags“ mit bestimmten Charakteristika an alle Viertel einer Stadt vergeben. Also beispielsweise „Grün“, „Shopping“, „Markt“, „Bahnhof“, „Student“, „Kulinarik“, „Am Wasser“ oder „Multikulturell“. Am Beginn der Online-Wohnungssuche wählt man solche Kriterien, oder beispielsweise auch ein Maximalbudget für eine bestimmte Wohnungsgröße aus. Auf dieser Basis werden einem dann Viertel und Wohnungen dort vorgeschlagen, die man bisher gar nicht am Radar hatte. Nur ein neuer Ansatz von vielen aus New York, über deren Erfolg schlussendlich der User selbst entscheiden wird. Eines scheint allerdings fix: Die Wohnungssuche von heute wird mit jener von morgen nur mehr wenig gemein haben und daran kann eigentlich niemand etwas Schlechtes finden.

Rupert Murdoch wittert Innovation

Medienzar und Immobilien-Tycon Rupert Murdoch meinte in New York zu seinem kürzlichen Einstieg bei Move Inc (u.a. move.com, realtor.com), dem größten Netzwerk der US-Immobilienbranche: „Das eigene Haus ist Teil des amerikanischen Lebenstraums. Und ich glaube die Art und Weise, wie wir Immobilien kaufen und verkaufen, ist der letzte Ort, der sich in den nächsten Jahren massiv verändert und wo Innovation stattfinden wird.“

Bernhard ist der PR Wunderwuzzi von zoomsquare. Kein Buchstabe ist vor ihm sicher, er schreibt auf dem Blog hauptsächlich über die Entwicklung von zoomsquare.