Wohnen in der Fußgängerzone

Mariahilfer Straße (Bild: c.fürthner/PID)

Fußgängerzonen sind ja prinzipiell keine schlechte Sache und eine Bereicherung für den urbanen Raum. Dennoch macht die neue Fußgänger- und Begegnungszone in der Mariahilfer Straße scheinbar jeden Tag neue Schlagzeilen. BuslenkerInnen, PolitikerInnen, PassantInnen, Geschäftsleute und generell scheinbar jeder hat eine Meinung zur Situation. „Tear down this wall“ fordern nun auch breitenwirksam viele der AnrainerInnen und protestieren so  gegen das neue Verkehrskonzept, das ihnen weitere Wege und andere Unannehmlichkeiten beschert.

Wohnen in einer Fußgängerzone hat Vor- und Nachteile

Nun ist die Mariahilferstraße bekanntlich nicht die einzige Fußgängerzone in Wien und das Wohnen in einer solchen bringt neben den Nachteilen, die im Moment in der Diskussion im Vordergrund zu stehen scheinen, auch Vorteile mit sich. Deshalb widmen wir uns heute einmal diesem Thema und stellen ein paar Überlegungen an, was das Wohnen in einer verkehrsberuhigten Straße so mit sich bringt.

Verkehr

Weniger Verkehr heißt mehr Platz für Grünflächen, für Fussgänger beim Shoppen oder Flanieren oder auch, im weniger urbanen Gebiet, mehr Platz und weniger Gefahr für spielende Kinder. Eine geringere Unfallrate wird oft als eines der Hauptargumente angeführt, geht allerdings von einer klassischen Fussgängerzone aus, die nicht von Autos, öffentlichen Verkehrmitteln, Fahrradfahrern und Fußgängern gleichberechtigt benutzt wird, wie es im Moment in Mariahilf der Fall ist bzw. wie im Falle des 13a, in dessen Fall bereits wieder zurückgerudert wurde, der Fall war. Wie sich die Situation im speziellen Fall der Begegnungszone weiterentwicklt, wird sich zeigen. Positive Beispiele aus anderen europäischen Städten gibt es hier ja bereits.

Parken und Halten

Wird eine Fußgängerzone installiert, ändert sich auch die Parksituation und es passiert oftmals eine Verlagerung des Parkens in benachbarte Bezirke. Weitere Wege für Mieter und Mieterinnen und auch Veränderungen für die Anlieferungszeiten für Gewerbetreibende sind die Folge. Parken in Mariahilf ist und war immer schwierig. Die Hoffnung besteht nun, dass in Zukunft im neuen Set-up, immer mehr Menschen generell auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen, was so zu einer Verkehrsreduktion im Gebiet an sich führen würde.

Lärm

Generell sollte eine Verkehrsberuhigung auch zu einer Reduktion des Lärmpegels führen, was allerdings im Moment aufgrund des typisch österreichischen „Gemma Mariahilfer Straße schauen“ – Phänomens laut Aussage einiger Mieter, mit denen wir gesprochen haben nur bedingt der Fall ist. Auch hier bleibt abzuwarten, wie sich die Situation nach der ersten Aufregung weiterentwickelt.

Weniger Wohnungen, mehr Geschäfte

Oftmals wird beobachtet, dass bei Installation von Fußgängerzonen in Kleinstädten im betroffenen Gebiet Wohnraum Geschäftslokalen weicht und eine grundlegende Veränderung der Mieterstruktur mit sich bringt. In Mariahilf ist dies nicht zu erwarten, da sich bereits seit langer Zeit ein Nebeneinander von Geschäftlichem und Privatem etabliert hat.

Interessant wäre für uns nun noch, ob und wie sich die Installierung einer Fußgängerzone auf die Mietpreise auswirkt. Daten dazu konnten wir allerdings im Moment nicht finden. Was meint ihr? Preise rauf oder runter?

Wir sind gespannt, wie es mit der neuest Fußgängerzone Wiens weitergeht und werden auch in Zukunft ein Auge darauf haben. Wer ein bisschen was über die Geschichte erfahren möchte, dem legen wir unseren Blogpost von vergangener Woche ans Herz, in dem wir die Entwicklungen in Mariahilf mit denen der Zeit vergleichen, in der die Innere Stadt „autofrei“ wurde. Viel Spaß beim Lesen!