History repeated – Die Diskussion um die Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße

Kärntner Straße um 1965 (by Hans Chr. R.)

Eine große Diskussion ist in den letzten Tagen um die Fußgängerzone aka Begegnungszone in der Mariahilfer Straße entbrannt, die seit 15. August in Betrieb genommen worden ist. Während die einen sich an den (mehr oder weniger) beruhigten Verkehrsverhältnissen und besseren Luftverhältnissen erfreuen, laufen die anderen Sturm und befürchten Stau, Umsatzeinbußen und Unfälle dort, wo die Buslinie 13a direkt auf die Fußgänger trifft.

Die Diskussion um die Fußgängerzonen ist keine neue und so haben wir diesmal einen Blick in die Geschichte geworfen und den Werdegang der Fußgängerzone rund um den Stephansplatz im ersten Bezirk unter die Lupe genommen. Eines sei vorweggenommen: It’s like history repeated…

Die Geschichte der Fußgängerzone in der Inneren Stadt

Nachdem die usprüngliche Euphorie über die Motorisierung der vorangegangenen Jahre Ende der 60er Jahre langsam abnahm und einer kritischen Diskussion über die Koexistenz von Fußgängern und Autoverkehr in der Innenstadt wich, entbrannte erstmals in Wien die Diskussion über eine Fußgängerzone. Die Kärnter Straße sollte hier Pilotprojekt und dem amerikanischen Vorbild folgend zur ersten Fußgängerzone Wiens werden, um die Innenstadt für Fußgänger wieder attraktiver zu machen. Bedenken gab es auch damals schon viele. Gschäftstreibende fürchteten Umsatzeinbußen, Verkehrschaos war vermeintlich vorprogrammiert und auch die AnrainerInnen standen der Veränderung eher skeptisch gegenüber.

Im Winter 1971 um die Weihnachtszeit war es dennoch soweit und das Projekt ging in eine Testphase, die von vielen Aktivitäten und Aktionen auf der Kärntner Straße begleitet wurde, um den Wienern und Wienerinnen das Zu-Fuß-Gehen schmackhaft zu machen. Entgegen aller Skepsis wurde die neue Fußgängerzone gut angenommen und der Probezeitraum direkt unbefristet verlängert, was am 6. August 1974 schließlich zur offiziellen Eröffnung der Fußgängerzone „in der Stadt“ führte, die sich in den folgenden Jahren zu einer der bekanntesten Einkaufsstraßen und Flaniermeilen der Stadt weiterentwickelte. Entgegen der Befürchtungen der Geschäftstreibenden zeigte wich nach Instandsetzung der Fußgängerzone und nach Fertigstellung der U-Bahn eine durchschnittliche Umsatzsteigerung um ca. 20%.[1]

Die Fußgängerzone, die eigentlich noch ausgeweitet werden sollte, erstreckt sich nun zwischen Oper, Stephansplatz und der Burg. TouristInnen schlendern hierentlang, um die vielen kulturellen Angebote zu nutzen; Wiener und Wienerinnen kommen zum Shoppen. Aufgrund der Häufung von Ämtern und Behörden sowie von Büros, Handels und Dienstleistungsunternehmen ist hier die Wohnbevölkerung immer weniger geworden. Auf eine BewohnerIn im Zentrum kommen sechs Beschäftigte.[2]

Love it, change it, leave it?

Verkehrsplaner Hermann Knoflacher war bereits in die Planung der Fußgängerzone in der Inneren Stadt involviert und meint im Standard-Interview zur Situation in Mariahilf: „Bei jeder Änderung schimpfen die Leute. Sie haben sich an etwas gewöhnt, auch wenn es noch so schlecht ist. Gelobt wird nur im Nachhinein.“

Man darf gespannt sein, ob das auch in der Mariahilfer Straße eintreten wird. Wir jedenfalls sind gespannt, wie sich das neue Konzept auf Wohnsituation, Anrainer und Mietpreise auswirkt und werden uns in den nächsten Tagen in einem weiteren Blogpost den Vor- und Nachteilen des „Wohnorts Fußgängerzone“ widmen. So stay tuned!

[1] http://derstandard.at/1293370954449/Hintergrundgespraech-zu-Fuzo-Plaenen-Die-Mariahilfer-Strasse-eitert-vor-sich-hin
[2] http://www.wien.gv.at/verkehr/strassen/archiv/grossprojekte/kaerntnerstrasse/geschichte.html