Mein Stiegenhaus?! So viel darfst du dort abstellen

Das darfst du im Stiegenhaus machen

Oftmals verwechseln Nachbarn in Mehrparteienhäusern das Stiegenhaus gerne mit einer Rumpelkammer. Volle Müllsäcke, Schuhe und Kästen vor den Wohnungstüren, Fahrräder und Kinderwägen in den Gängen. Im Keller stapeln sich alte Kühlschränke, Matratzen, Kästen und Gerümpel. Allerlei Unrat und persönliche Gegenständen finden sich bei einem Streifzug durch die Stiegenhäuser, Keller und Dachböden. Was für den einen praktisch und bequem ist, kann jemand anderen optisch missfallen. Abgestellte Gegenstände in Stiegenhäusern werden spätestens dann zum Ärgernis, wenn du immer wieder über die Schuhe oder Kinderwägen anderer Hausbewohner stolperst und diese im Ernstfall sogar zur gefährlichen Barrikade werden. Doch darf man eigene Gegenstände wie bspw. Fahrräder oder Straßenschuhe tatsächlich im Stiegenhaus abstellen? Wir haben uns umgehört!

In diesem Blogpost erfährst du:

  • was das Gesetz sagt
  • wie sich die Hausverwaltung um die Einhaltung bemüht
  • was du sonst noch im Stiegenhaus darfst und nicht darfst.

Wie ist die Nutzung des Stiegenhauses geregelt?

Schauen wir uns doch mal das Vertragliche an. In der Regel wird im Mietvertrag vereinbart sein, dass nur der Innenraum des Mietgegenstandes, das heißt die Wohnung, gemietet ist. Miete wird daher nicht für die (exklusive) Nutzung des Treppenhauses oder sonstiger allgemeiner Bereiche bezahlt. Dass diese dennoch betreten und begangen werden müssen um zur Wohnung zu kommen steht außer Streit – doch bedeutet dies nicht, dass du auf diese Bereiche deine Wohnfläche vergrößern darfst. Die Gänge sind daher allgemeine Bereiche die – „nomen est omen“ – der Allgemeinheit zur Verfügung stehen und daher nicht individuell und insbesondere nicht ohne vorherige Zustimmung durch den Vermieter als private Stellfläche verwendet werden dürfen.

Das darfst du im Stiegenhaus machen

Dies hat aber nicht nur Gründe, die in der Ästhetik des Hauses oder der gegenseitigen Rücksichtnahme begründet sind. So gibt es auch gesetzliche Vorgaben in Bezug auf die Reinhaltung der Stiegenhäuser. So gibt es etwa in Wien (Achtung, lange Bezeichnungen folgen!) das Gesetz über die Feuerpolizei, Luftreinhaltung und die Überprüfung von Klimaanlagen sowie die Verordnung des Magistrats der Stadt Wien betreffend die Reinhaltung von nicht öffentlich zugänglichen Gebäuden, Höfen und Grundstücken. Diesen Vorschriften zufolge müssen das Stiegenhaus und andere allgemeine Bereiche frei von Lagerungen bleiben. Der Grund dafür? So können (Personen)schäden im Brandfall minimiert werden, außerdem ist es hygienischer – Beispiel rumliegender Restmüll.  Galagerte Gegenstände könnten schnell brandbeschleunigend wirken und zu lebensgefährlichen Blockaden mutieren.

Die Gänge sind allgemeine Bereiche und keine private Stellfläche. Das hat vor allem mit Aspekten der Sicherheit zu tun.

So setzt die Hausverwaltung die Regelung praktisch um

Der Hauseigentümer bzw. die Hausverwaltung muss also auf die „Reinheit“ des Treppenhauses achten. Die Erfahrung zeigt: sobald der erste Hausbewohner beginnt sein Gerümpel im Stiegenhaus abzustellen, folgen Nachahmungstäter. Eine leichte Form der Broken-Windows-Theorie also. Schnell kann der Weg zur eigenen Wohnung so zum Spießrutenlauf werden. Die Hausbewohner werden daher regelmäßig per Aushang darüber informiert, dass private Gegenstände von den Gängen zu entfernen sind, andernfalls eine Räumung erfolgen wird. Nur – Wer trägt die Kosten dafür?

Oftmals finden sich Gegenstände in den Kellergängen und wird es kaum möglich sein zu ermitteln, wer der Verursacher dieser Lagerungen ist. In diesem Fall müssen die Kosten der Entsorgung von der Allgemeinheit, also allen Mietern, getragen werden. Sollte der Verursacher hingegen bekannt sein, so ist es möglich diesen zur Verantwortung zu ziehen und auch mit den anfallenden Entrümpelungskosten zu belangen. Zudem ist es möglich eine Besitzstörungs- und Unterlassungsklage einzubringen.

Das darfst du im Stiegenhaus machen

Was darf ich sonst (nicht) im Stiegenhaus?

Vielleicht ist es dir auch schon mal passiert. Im Stiegenhaus riecht’s nach abgestandenem Zigarettenqualm, irgendjemand hat dort also geraucht. Immer wieder berichten Mieter und Wohnungseigentümer ihren Hausverwaltungen, dass im Stiegenhaus geraucht wird und der unangenehme Geruch teilweise sogar bis in die Wohnung zieht. Doch kann ein Rauchverbot im Haus gesetzlich erwirkt werden, oder ist man gegen den Zigarettenrauch machtlos?

Rauchen im Stiegenhaus ist erlaubt, sofern kein Verbot im Vertrag oder der Hausordnung vorkommt oder es die Bewohner beeinträchtigt.

In der Regel findet sich im Mietvertrag bzw. häufiger in der Hausordnung ein Hinweis darauf, dass das Rauchen außerhalb der Wohnung im Stiegenhaus verboten ist. Andernfalls kann das Rauchen im Stiegenhaus nicht verboten werden. Ist die Rauchentwicklung jedoch so intensiv, dass es wirklich zu signifikanten Beeinträchtigungen der Lebensqualität kommt, kann rechtlich dagegen vorgegangen werden. Prinzipiell sind Emissionen, wie Rauch und andere intensive Gerüche oder auch Lärm, Emmissionen nach dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB). Jedoch erst wenn die Emissionen ein bestimmtes Maß übersteigen, und somit die Zumutbarkeitsgrenze überschritten wird, sind diese untersagt. Übrigens: In rein privat genutzten Wohnhäusern finden die Nichtraucherschutzregelungen des Tabakgesetzes keine Anwendung, da das Tabakgesetz nur für öffentliche Räume undGebäude Geltung hat.

Das darfst du im Stiegenhaus machen

Selbstverständlich ist es auch nicht vorgesehen, dass du im Stiegenhaus mit deinem Wuffi „gassi gehst“. Die Wohnungstüre zu öffnen und den vierbeinigen Liebling in das Haus zu entlassen mag zwar bequem sein, entspricht jedoch eher nicht einem artgerechten Umgang mit dem Haustier. Ein Baum wird sich im Stiegenhaus kaum finden, das Lackerl aber an die nächste Mauerkante gemacht werden. Für diesen Schaden an der Malerei sowie die Entfernung des Unrats muss dann der Hundehalter haften.

Benutz das Treppenhaus also lieber nicht als Rumpelkammer, wenn du dir keinen Ärger einholen willst! Viel besser: einfach mal gründlich ausmisten 😉 Und bei mehrmaligem Verstoß des Nachbars wendest du dich am besten an die Hausverwaltung.

Ist dir das schon mal passiert? Schreib uns doch, an hallo@zoomsquare.de@zoomsquare oder fb.com/zoomsquare – wie’s dir besser passt!

Gregor Zimmel ist Jurist und Geschäftsführer der all-in-one Gebäudeverwaltung in Wien.